Unklare Gründe für Massenentlassungen bei Novum Hotels
Nachdem fast sämtliche 50 Mitarbeitenden in zwei Mainzer Hotels gekündigt worden waren (wie bereits berichtet), hat die Hotelgruppe Novum Hospitality eine Stellungnahme veröffentlicht. Das Unternehmen bestreitet den Vorwurf, die Kündigungen seien dazu gedient, die Gründung eines Betriebsrats zu verhindern, liefert jedoch keine Erklärung dafür, warum die Entlassungen überhaupt erforderlich gewesen sein sollen.
Der Fall der Massenentlassungen sorgt weiterhin für große Aufmerksamkeit. An weiteren Novum-Standorten berichten Angestellte von ähnlichen Sorgen hinsichtlich ihrer beruflichen Perspektiven. Zusätzlich wirft das Geschehen Besorgnis in Hotels auf, die bislang nicht zu Novum gehören.
Laut Hotel vor9 gibt es Meldungen aus dem Umfeld des Holiday Inn Express Bremen Airport, wonach der Vorfall "unter vielen Beschäftigten in Bremen erhebliche Unruhe ausgelöst" habe. Gerüchte, dass Novum Interesse an dem Bremer Hotel zeige und sich das Haus in finalen Übernahmeverhandlungen befinde, tragen zur Aufregung bei. Hintergrund ist, dass auch in Bremen eine Gruppe von Mitarbeitenden die Gründung eines Betriebsrats anstrebe.
Daher ist es wenig überraschend, dass die Ereignisse in Mainz ebenfalls beim internationalen Hotelkonzern IHG (Intercontinental Hotels Group) für Diskussionen sorgen, da die beiden Mainzer Häuser unter den IHG-Marken Holiday Inn und Garner betrieben werden. Novum und IHG sind seit April 2024 durch eine umfassende strategische Partnerschaft eng verbunden. Hotel vor9 berichtet, dass das britische Unternehmen derzeit prüft, eine eigene Stellungnahme zu den Vorgängen abzugeben.
Unterdessen kündigt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) an, die Betroffenen mit Beratung und Rechtsschutz zu unterstützen und das Vorgehen von Novum aktiv in den sozialen Medien zu thematisieren. Interessanterweise sitzt die NGG mit zwei Vertretern im Aufsichtsrat von Novum und kann somit direkten Einfluss auf die Geschäftsführung ausüben.
Die Entlassungen werden im nächsten Aufsichtsratstreffen von Novum behandelt
Und genau das soll nun geschehen: "Wir haben beantragt, diese Situation und die Vorwürfe in der kommenden Sitzung des Aufsichtsrates zu besprechen", erklärte Mark Baumeister, Referatsleiter Gastgewerbe bei der NGG und Aufsichtsratsmitglied von Novum, gegenüber Hotel vor9. Weiterhin fügte er hinzu: "Als NGG fordern wir, dass die Gründung von Betriebsräten nicht behindert, sondern aktiv unterstützt wird. Auch bei Novum gelten deutsche Mitbestimmungsrechte, deren Einhaltung wir sicherstellen werden."
Baumeister ergänzte aus Sicht der Gewerkschaft: "Wenn Beschäftigte, nachdem sie über ihre Rechte informiert wurden, entlassen werden, ist das ein Unding. Es kann auch nicht sein, dass der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates in mehreren Häusern Hausverbot hat, ebenso wie seine Kolleginnen und Kollegen."
Der Aufsichtsrat betonte weiter: "Der Erfolg der deutschen Kettenhotellerie beruht darauf, Mitbestimmungsrechte zu achten. Betriebsräte engagieren sich in vielen Häusern proaktiv. Ebenso erwarten wir, dass das Unternehmen wieder zur Tarifbindung zurückkehrt. In einer Branche mit Mindestlohn zu arbeiten, ist für uns nicht hinnehmbar. Novum Hospitality ist ein ‚Erschließungsbetrieb‘. Zu diesem innovativen Konzept und den modernen Häusern gehört gute Arbeit – dafür setzen wir uns ein."
Novum bestreitet Vorwürfe, lässt jedoch die Kernfrage offen
Novum reagierte am Freitag schriftlich. Geschäftsführerin Samira Etmenan erklärte in einer Stellungnahme gegenüber Hotel vor9, die bisherige Berichterstattung gebe "kein vollständiges Bild der tatsächlichen Sachlage" wieder. Das Unternehmen behalte sich das Recht vor, die Angelegenheit rechtlich prüfen zu lassen. "Wir weisen insbesondere die Behauptung zurück, personelle Maßnahmen hätten der Verhinderung einer Betriebsratsgründung gedient", betonte Etmenan. Novum betont, die Rechte der Mitarbeitenden sowie die geltenden arbeits- und betriebsverfassungsrechtlichen Bestimmungen zu respektieren.
Gleichzeitig wies die Geschäftsführung darauf hin, dass es sich bei dem Vorfall um "Betriebsinterna" handele und man zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren öffentlichen Kommentare abgebe. Der weitere Prozess werde "in enger Abstimmung mit der zuständigen Arbeitnehmervertretung" begleitet und es werde "mit Hochdruck an einer einvernehmlichen Lösung für alle Beteiligten" gearbeitet.
Was in der Stellungnahme jedoch vollständig fehlt, ist eine Antwort auf die zentrale Frage: Warum wurden im laufenden Betrieb zwei komplette Belegschaften entlassen, obwohl die Hotels weiterhin Gäste beherbergen und der Betrieb nun mit Leiharbeitern fortgeführt wird?